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Stand: 20.01.2017

Pressemitteilung

Sozialwoche schlägt Brücke zwischen den Generationen

Sozialwoche St. Hedwig Azubis

Etwas Nützliches tun, gemeinsam Spaß haben und dabei eine Brücke zwischen den Generationen schlagen - das ist Auszubildenden bei ihrem Praktikum im Caritas-Altenzentrum St. Hedwig Kaiserslautern gelungen. Eine Begegnung, die junge Menschen und Senioren gleichermaßen bereichert.

Das Wetter ist ungemütlich. Es nieselt und der Ostwind ist kalt. Doch davon lassen sich die fleißigen Helfer nicht stören. Hier werden Pflanzlöcher gebuddelt, dort Thuja, Kirschlorbeer und Pampasgras aus dem Transporter gehievt. Immergrüne Pflanzen, die einem ganz bestimmten Zweck dienen. Es soll das Rückhaltebecken auf der Rückseite des Caritas-Altenzentrums St. Hedwig in Kaiserslautern verschönern. Aus Sicherheitsgründen hinter einem Zaun gelegen, präsentierte sich das Becken bisher als eine recht trostlose Angelegenheit. Das soll sich jetzt ändern  und zwar mit der tatkräftigen Unterstützung von 22 jungen Menschen. Sie alle sind Auszubildende bei der Kaiserslauterer Firma Corning.

Sozialwoche Außengelände

"Seit sechs Jahren machen unsere Azubis während der Herbstferien ein einwöchiges Praktikum im sozialen Bereich", sagt Beate Göttel, Ausbildungsleiterin in dem Industriebetrieb. "Die Erfahrungen, die sie dort sammeln, erweitern den Horizont und stärken vor allem die Sozialkompetenz. Außerdem müssen sie Eigeninitiative zeigen und sich den Praktikumsplatz selbst suchen", erläutert die Ausbildungsleiterin den Hintergrund. Das brachte die Gruppe zum Altenzentrum St. Hedwig. Dort stieß sie mit ihrem Anliegen auf offene Ohren und Türen. "Wir haben schon oft Jugendliche im Haus gehabt, die einmal in einen sozialen Bereich hineinschnuppern wollten. Das tun wir gerne, denn wir sehen hier eine große Chance des generationenübergreifenden Miteinanders", bestätigt Einrichtungsleiterin Jutta Asal-von Wuthenau.

Die Bewohner danken es ihr. "So viele junge Menschen auf einen Schlag hatten wir schon lange nicht mehr zu sehen bekommen. Sie bringen frischen Wind ins Haus. Vor allem die Buben", meint eine ältere Dame und schmunzelt. Die männliche Überlegenheit der Praktikantengruppe kommt ihr gerade gelegen, "weil die meisten Pflegekräfte ja Frauen sind. Da ist das mal eine schöne Abwechslung."

Allerdings sei eine so große Gruppe schon eine Herausforderung, räumt Jutta Asal-von Wuthenau ein. Doch gemeinsam mit Cindy Weilacher, eine der Corning-Azubis, habe man ein Konzept erstellt, mit welchen Aktivitäten sich die Woche füllen lässt. "Da die meisten der Praktikanten eine handwerkliche Ausbildung machen, lag es nahe,  entsprechende Projekte  durchzuführen. Und zwar zusammen mit dem Caritas-Förderzentrum St. Christophorus, dessen Gartengruppe sich regelmäßig um unsere Außenanlage kümmert. 

So entstand auch die Idee, das Rückhaltebecken in St. Hedwig zu verschönern. Nicht nur mit Pflanzen, sondern auch mit originellen Skulpturen." Entstanden in der Holzwerkstatt des Förderzentrums, säumen sie nun das Ufer des Beckens. Metallobjekte, teils bunt, teils stahlgrau, dazu kunstvolle Holzfiguren, "die denen der Osterinseln nachempfunden sind ", erklärt Stefan Welter, Leiter der Holzwerkstatt. Mit dem Stemmeisen bearbeitet, hat jede einzelne ein Gesicht mit unverwechselbaren Zügen und eigenem Charakter. Drei von ihnen dienen zusätzlich als Vogelfutterspender und werden von einigen Praktikanten mit Sonnenblumenkernen und Meisenknödeln bestückt.

Sozialwoche_ Max und Heinz Fuchs

Während der Rest der Gruppe damit beschäftigt ist, die Pflanzen zu platzieren, macht Max eine kleine Pause, um sich ein Weilchen mit Bewohner Heinz Fuchs zu unterhalten. Auf den ersten Blick sind die beiden ein ungleiches Gespann, denn immerhin liegt ein Altersunterschied von 72 Jahren zwischen ihnen. "Das macht aber nichts, wir haben uns viel zu erzählen", sagt der Senior, dem man sein Alter von 88 nicht ansieht.

Er und Max haben sich gesucht und gefunden. Geholfen hat ihnen dabei der Steckbrief, den sowohl die Praktikanten als auch die Bewohner von sich angefertigt haben. Mit Name, Geburtstort, Lieblingsfarbe und Foto, damit sich passende Alt-Jung-Tandems finden lassen.  "Als ich das Foto von Max gesehen habe, wusste ich gleich, den möchte ich gern während der Praktikumswoche als Patenkind. Er ist ja einer der Jüngsten, und mit jungen Menschen komme ich gut zurecht. Schließlich hab’ ich in meinem Installateurbetrieb viele Lehrlinge ausgebildet."

Auch Max ist sichtlich zufrieden. "Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und sogar gemeinsame Interessen, wie zum Beispiel das Campen." Dass es für den 16-Jähigen anfangs seltsam war, "so viele alte Leute zu sehen", ist Schnee von gestern. "Man muss sich nur auf die Menschen einlassen, dann wird es ganz selbstverständlich. Und man hört viele interessante Geschichten." Das sehen auch seine Mitstreiter so. Nach den morgendlichen Gartenarbeiten gehört ihre Zeit am Nachmittag den Heimbewohnern und -bewohnerinnen.  "Wir gehen zusammen spazieren und auf die Lautrer Kerwe, haben Apfelmus gekocht und Waffeln gebacken. Manchmal erzählen wir miteinander oder spielen etwas."

Demnächst kommt beim Spielen auch ein ganz besonderes Memory zum Einsatz, das die Holzwerkstatt angeregt hat. "Es besteht aus gleich großen Holztäfelchen, die ausgesägt, beschliffen und dann mit Schwarz-Weiß-Fotos aus dem alten Kaiserslautern beklebt wurden. Jetzt kommt nur noch Klarlack darauf, dann sind sie fertig", sagt Praktikantin Juliane Havel und ist sich sicher, dass es bei den Senioren gut ankommt. 

Herausgegeben vom Caritasverband für die Diözese Speyer

Text und Fotos: Friederike Jung

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