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Stand: 20.01.2017

Pressemitteilung

„Interessante Einblicke in die Arbeit“

Altenpflegerin Judith Schüppert am Bett einer Bewohnerin. Die gerontopsychiatrische Fachkraft erreicht mit der Basalen Interaktion auch ohne Sprache die demenzkranke Bewohnerin und entlockt ihr ein Lächeln.Die gerontopsychiatrische Fachkraft Judith Schüppert erreicht mit der Basalen Interaktion auch ohne Sprache die demenzkranke Bewohnerin und entlockt ihr ein Lächeln.Friederike Jung / Caritasverband für die Diözese Speyer

Wo sind wir stark, wo können wir uns noch verbessern?  Um das herauszufinden, hat das Caritas-Altenzentrum St. Hedwig eine Selbstbefragung auf Grundlage des EFQM-Modells durchgeführt und dabei bestens abgeschnitten. Bei einem Excellence-Tag am 15. November 2019  konnten Mitarbeiter anderer Einrichtungen Einblick in die verschiedenen Abteilungen und Arbeitsbereiche gewinnen und sich von dem Qualitätsmanagement des CAZ inspirieren lassen. 

Besondere Aufmerksamkeit fand die Basale Interaktion, ein 2017 gestartetes Projekt, das die Pflege und Begleitung demenzkranker Menschen auf besondere Weise neu ausrichtet. "Wir möchten unsere Bewohner und Bewohnerinnen auf allen Lebenswegen begleiten, ihnen ein Gefühl von Heimat geben und ihnen mit einer lebenszugewandten Einstellung begegnen", führte Einrichtungsleiterin Jutta Asal von Wuthenau in den Tag ein. Eine Optimierung der psychosozialen Betreuung verspreche die Basale Interaktion, die auf einer verständnisvollen, verbalen und nonverbalen Kommunikation bei Menschen mit Demenz beruhe. Viele Mitarbeitende haben eine entsprechende Ausbildung durchlaufen. Eine von ihnen ist die gerontopsychiatrische Fachkraft Judith Schüppert. Sie zeigte den Teilnehmenden, die in Kleingruppen durchs Haus geführt wurden, was Basale Interaktion in der Praxis bedeutet. 

Durch das Bewohnerzimmer weht Lavendelduft zusammen mit entspannender Meditationsmusik.  "Schön, Sie zu sehen", sagte Judith Schüppert zu der schwer demenzkranken Frau, die regungslos im Bett liegt. Einer leichten Berührung an der Schulter folgt sanftes Streichen - über die Arme, die Beine, den Bauch. Zwischendrin liebevolles Halten der Hand, das einen vertrauensvollen Blick erntet. Alles erfolgt vorsichtig, mit  Ruhe, leiser Stimme und einer berührenden Zugewandtheit.

Die Basale Interaktion beruhe auf vier internationalen Sprachen - Berührung, Musik, Atem, Bewegung - und dem stressfreien, bewussten Umgang mit den Menschen, hat Schüppert im Vorfeld erklärt. Und so sendet sie, mit allem, was sie tut, Positives aus. Von Mensch zu Mensch. "Denn als solcher komme ich zu den Bewohnern." 

Die Qualitätsmanagerin Adrijana Halnais erläutert einer Teilnehmer-Gruppe die Prinzipien der Arbeit im Caritas-Altenzentrum St. Hedwig. Die Qualitätsmanagerin Adrijana Halnais erläutert einer Teilnehmer-Gruppe die Prinzipien der Arbeit im Caritas-Altenzentrum St. Hedwig. Friederike Jung / Caritasverband für die Diözese Speyer

Um die Wirkung dieser Methode zu überprüfen, nutzt das Caritas-Altenzentrum St. Hedwig HILDE. Was sich wie ein weiblicher Vorname anhört, steht für "Heidelberger Instrument zur Erfassung der Lebensqualität demenzerkrankter Menschen". Es hilft, die Lebensqualität von Menschen, die sich selbst nicht mehr äußern können, mittels Beobachtung einzuschätzen. Dabei werde eine ganze Palette verschiedener Aspekte von Wohlbefinden in den Blick genommen, erklärt die Qualitätsmanagementbeauftragte Adrijana Halnais. Das Ergebnis nach zwei Jahren zeige Verbesserungen beim Schmerzerleben, Bewegungsradius, bei den angebotenen Aktivitäten und der Emotionalität in Alltagssituationen. Verschlechterungen  wurden - zumeist der fortschreitenden Erkrankung geschuldet - bei eigenständig vollzogenen Tätigkeiten festgestellt. 

All diese Faktoren werden festgehalten, in der Mitarbeiterschaft besprochen, um Konsequenzen daraus zu ziehen und den Qualitätsstandard weiterhin zu optimieren. Dazu diente auch eine interne Mitarbeiterbefragung zu zahlreichen Faktoren, wie etwa psychische und gesundheitliche Belastungen, Teamklima, Wertschätzung durch Vorgesetzte, Kommunikation und Führung. Dabei habe sich gezeigt, dass die Basale Interaktion ihr zweites Ziel erreiche, indem sie sich auch positiv auf die Mitarbeitenden auswirke. Das beweise eine ganze Liste von Verbesserungen in verschiedenen Bereichen, schlussfolgert  Dr. Franz Eierdanz vom Institut für Technik und Arbeit in Kaiserslautern, das das Projekt wissenschaftlich begleitet.

In insgesamt sieben Bereichen des Hauses konnten sich die Teilnehmenden des Excellence-Days umsehen und sich die Aufnahme, das Wundmanagement, den Pflegeplan sowie die Hospiz- und Abschiedskultur im CAZ St. Hedwig erläutern lassen. Große Beachtung fand auch das enge Miteinander des Hauses und der Pfarrei Hl. Kreuz durch die an das Haus angegliederte Kirche. 

Bei Gesprächen mit Bewohnern und Pflegekräften sowie anschließendem Kaffee und Kuchen ging der Excellence-Day am Nachmittag zu Ende. "Das waren sehr interessante Einblicke, sagte Sabine Henke-John, die das Caritas-Förderzentrum St. Lukas für Menschen mit psychischen Erkrankungen in Kaiserslautern leitet.  "Vor allem die Basale Interaktion hat mich beeindruckt und berührt. Ich will sehen, wie sie sich auf unser Haus übertragen lässt. Bemerkenswert finde ich auch, wie komplex die Struktur und Organisation sind, und doch das Menschliche erhalten bleibt." 

"Der Zusammenhalt von Kirche und Heim gefällt mir sehr gut", meinte Judith Schulte-Strathaus vom Sozialdienst im Caritas-Altenzentrums St. Ulrich in Neustadt/Weinstraße. "Und neben anderen Anregungen nehme ich mit, der basalen Stimulation, die wir praktizieren, mehr Zeit einzuräumen."

Markus Nitsch, Stabsstellenleiter Prozessmanagement und Organisationsentwicklung beim Caritasverband für die Diözese Speyer machte dem Team von St. Hedwig ein Kompliment "Ihr habt die Vorgaben der Caritas Betriebsträgergesellschaft in das Konzept integriert und es mit eigenen Besonderheiten angereichert, die das Haus ausmachen."

Text und Fotos: Friederike Jung für den Caritasverband für die Diözese Speyer

 

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